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Theaterlabor für das Institut der
angewandten Theatersissenschaft
an der Justus-Liebig-Universität Gießen
Nichtoffener, einstufiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren mit freiraumplanerischem Ideenteil, Gießen 2013, 4.Preis
(kein 2. und 3. Preis vergeben)
Experimentaltheatersaal, Werkstätten, studentische Arbeitsräume
BGF ca 1.200 m2
In Kooperation mit: Weidinger Landschaftsarchitekten, Jürgen Weidinger LA
Auslober: Land Hessen vertreten durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Wiesbaden
Mitarbeit: Frank Zimmermann
Modellbau: Marcello de la Vega

Grundidee unseres Entwurfes ist es, durch den baulichen Eingriff die öffentlichen Räume des Unicampus neu zu interpretieren. Lesbar im heutigen Stadtbild sind vor allem die den klassizistischen Dreiflügelbauten vorgelagerten, platzartigen Stadträume, die deren Adressbildung stärken. Dieses Prinzip machen wir uns auch für das neue Theaterlabor zunutze. Analog zu dem nördlichen Vorplatz an der Ludwigstraße entsteht ein öffentlicher Promenadenraum an der Südseite bis zur Kreuzung Stephanstraße–Bismarckstraße. Beide Räume werden über eine neue Campuspromenade Z-förmig durch den Campusblock hindurch verbunden. Die Gelenkstelle dieser neuen öffentlichen Räume nimmt das Theaterlabor als Solitär und Dreh- und Angelpunkt der neuen Block-Durchwegung ein. Dabei entwickelt es eine hohe Präsenz, sowohl im Zusammenhang mit dem Uni-Campus als auch an der Stephanstraße. Ganz seiner Funktion gemäß, wird der Bau somit gleichzeitig Teil des Uni-Lebens und ein öffentlicher Veranstaltungsort sein.

Der Neubau und die parallel geschaffenen Promenadenräume werden zukünftig zum Rückgrat und Initial für die weitere Entwicklung des Campus, da sie bereits in der ersten Baustufe klare Zuordnungen der Freiräume zu den jeweiligen Gebäuden ermöglichen und damit eine weiter reichende Entwicklung auch in kleinen Etappen erfolgen kann.

Die ungerichtete Grundform des Neubaus betont seine allseitige Orientierung und Gelenkfunktion im Stadtraum. Seine innere Gliederung vollzieht quasi die Bewegung des öffentlichen Raumes mit den hierarchisch übergeordneten Innenräumen nach:
Theatersaal, Foyer und Werkstatt-Magazin begleiten den abgewinkelten Promenadenraum und definieren die Öffnungsgeste des Gebäudes im Erdgeschoss. Eingang und Foyer liegen dabei an der exponierten Gelenkstelle.
Die verschiedenen Raumvolumen mit jeweils unterschiedlichen Raumhöhen werden durch eine gemeinsame Außenhülle zu einem stadträumlich präsenten, durch seine verschiedenen Höhen plastisch durchformten Körper verschmolzen.
Die Fassade aus schwarz-grauem Kohlebrandziegel im Stapelverband und Glas wird zum einen dem werkstattähnlichen Charakter des Gebäudes gerecht, zum anderen kommuniziert sie kontrapunktisch mit den steinernen Gebäuden des Stadtkontextes. Die gläserne Fassade der Werkstätten und des Foyers, des großen Schaufensters und des Saalfensters zum Grünraum bieten vielfältige Möglichkeiten mediale Präsenz im Stadtraum herzustellen.

Die innere funktionale Organisation des Theaterlabors zielt auf Nutzungsüberlagerungen im Wechselspiel zwischen universitärer Werkstatt und Veranstaltungsort. Das ganze Haus bietet eine flexible Struktur, die dem jeweiligen Zweck gemäß beliebig bespielt und in das theatralische Geschehen einbezogen werden kann.
Der Theatersaal selbst ist als multifunktionale ‚Blackbox’ konzipiert, in der jede theatralische Situation frei hergestellt werden kann – ein Raum zur maximalen Aneignung als Laborstätte für theatralische Versuche. Über eine mögliche vollflächige Öffnung zum Grünraum kann bei Bedarf auch der Freiraum der benachbarten großen Wiese gezielt in das Geschehen mit einbezogen werden.


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